Willkommen, Gast
Benutzername: Passwort: Angemeldet bleiben:
  • Seite:
  • 1

THEMA:

Schlangenöl nun endlich auch für Linux 2 Wochen 3 Tage her #1

  • Dr.Tux
  • Dr.Tuxs Avatar Autor
  • Offline
  • Administrator
  • Administrator
  • Linuxpromoter, Radler, Aktivismuschronist, Veganer
  • Beiträge: 1262
  • Dank erhalten: 133
Mit diesem reißerischen Begriff betitelte der aus gesundheitlichen Gründen unfreiwillig in der Versenkung verschwundene Fefe immer wieder aus gutem Grund Virenscanner. Dieser mit einer Prise Humor zu lesende Text legt dar, dass Microsoft sich für nichts zu schade ist und eine derartige Software nun auch auf den Linux-Desktop bringen will. Liest man die gestrigen Artikel bei NETZPOLITIK.ORG ( 1 , 2 ) und ersetzt dabei gedanklich Windows/Android durch Linux, so könnte man diese "Notwendigkeit" durchaus erkennen wollen. Nun kann man Microsoft zugute halten, dass sie ihr sog. Betriebssystem vermutlich am besten kennen, so dass es argumentativ abbildbar ist, auf ihrem Kram den hauseigenen Virenscanner einzusetzen. Konträr dazu gibt es aber kein Einheits-Linux, was die Angriffswahrscheinlichkeit (abhängig vom individuellen Fall) gleich massiv absenkt. Hinzu kommt, dass es (nicht nur bei Windows) ratsam ist, das eigene System grundlegend abzudichten, so dass derlei Angriffsversuche auch ohne Virenscanner erfolglos verlaufen. Das fängt niedrigschwellig damit an, dass man seinen Browser durch die einfache Deaktivierung von JavaScript bzw. die Installation von Anti-Tracking-Plugins vor derlei primitiven Angriffsversuchen schützt.

Darüber hinaus gilt es aber auch einen weiteren Denkfehler zu vermeiden: Man kann ja argumentieren, dass der Einsatz eines Virenscanners unter Linux dahingehend Sinn macht, dass man MS-Office-Dateien an Dritte weiter gibt, die virenverseucht sein könnten (was man auf seinem Linuxsystem gar nicht bemerkt). Gut, wer im Jahr 2026 immer noch ungefragt Makros in Office-Dokumenten ausführt, dem/der ist eh nicht mehr zu helfen. Aber der Denkfehler beginnt bereits vorher (und macht den Begriff des Schlangenöls besser verständlich): Mit dem Einsatz eines Virenscanners gebt ihr einem Programm Vollzugriff auf euer System, das 1. selber sauber und 2. unangreifbar sein muss! Ist nur eines davon nicht erfüllt, dann könnt ihr nicht nur eure Daten, sondern gleich auch euer ganzes Betriebssystem vergessen. Insofern bringt die Installation dieses Schlangenöls exakt nichts!

Bedeutend zielführender ist hier folgende Herangehensweise: Im Netz gibt es mehrere linux-basierte Live-CDs, die teils mit gleich mehreren Virenscannern ausgestattet sind . Die ISOs ladet ihr euch herunter, prüft deren Checksummen und brennt diese (auf einem sauberen System - welches selber wiederum ein Livesystem sein kann!) auf eine klassische CD, so dass ihr mit großer Wahrscheinlichkeit ein sauberes Startszenario habt, da von der CD nur read-only gelesen werden kann. Von diesen CDs gebootet, holt ihr euch die aktuellen Virenscanner-Datenbanken aus dem Netz und scannt damit euer System quasi von außen regelmäßig und vollständig durch. Nur so erhaltet ihr eine ziemlich realistische Information darüber, dass euer System aller Wahrscheinlichkeit nach sauber ist.

Ansonsten macht ihr ein regelmäßiges Backup eurer Nutzdaten und kümmert euch um die Abdichtung eures Systems! Und dies geht alles ganz ohne Mysterysoft!
Selbst ein Huhn kann Debian/Devuan installieren, wenn du nur genug Körner auf die Enter-Taste legst.

Bitte Anmelden um der Konversation beizutreten.

Schlangenöl nun endlich auch für Linux 2 Wochen 1 Tag her #2

  • Dr.Tux
  • Dr.Tuxs Avatar Autor
  • Offline
  • Administrator
  • Administrator
  • Linuxpromoter, Radler, Aktivismuschronist, Veganer
  • Beiträge: 1262
  • Dank erhalten: 133
Recherchiert man zu diesem merkwürdigen "Angebot" weiter, so wird diese Geschichte immer absurder. Zunächst einmal ist festzustellen, dass Microsoft bisher nicht den/die gemeine/n Endanwender/in adressierte, sondern speziell Entwickler/innen insbesondere im Serverumfeld. Und dort sind sie wohl auch schon länger mit ihrem "sehr speziellen Angebot" aktiv. Somit dürfte ihnen auch aufgefallen sein, dass Jede/r, der/die noch bei klarem Verstand ist, ganz klar Linux statt Windows auf dem Server bevorzugen wird ( IONOS , SECURITY INSIDER ). Und dass sie, seitdem sie ihre eigene Linux-Distribution pflegen ( Wikipedia ), ein vermehrtes Interesse daran haben, dass Linux und der Kernel ordentlich laufen, ist leicht nachvollziehbar. Trotzdem ist doch sehr davon auszugehen, dass gerade Entwickler/innen ihren Kram selbständig im Griff haben und das geht unter Linux bekanntermaßen mit Bordmitteln. Nun sollen es also auch Desktoprechner sein - wie gesagt aber nicht Jene von Endanwender/innen ( heise , PCGH , PCWELT , WinFuture ). Dabei leistet die Software nichts, was nicht auch mit den üblichen Methoden der Einbruchserkennung und -vorsorge zu erledigen wäre und basiert laut (hier vorsichtig klicken!) Eigenaussage auf den sog. Berkeley Packet Filter (BPF, Wikipedia , SERVER SPACE ) - was vom Linux-Kernel seit der gut abgehangenen Version 3.18 (anno 2014) unterstützt wird. Hinzu kommt ihre höchst "experimentelle" Update-Strategie ( WinFuture ) auf ihrem eigenen sog. Betriebssystem. Und als Krönung ist dieses unmoralische "unwiderstehliche" Angebot für das Open Source-System Linux mit einem bereits bestehenden Software-Abonnement verknüpft - und dies wiederum ist ein Umstand, den man ja von M$ kennt. Ob sie hiermit aber Linux-Freund/innen einsammeln können, dürfte mehr als fraglich sein!
Selbst ein Huhn kann Debian/Devuan installieren, wenn du nur genug Körner auf die Enter-Taste legst.

Bitte Anmelden um der Konversation beizutreten.

  • Seite:
  • 1