Mit diesem reißerischen Begriff betitelte
der aus gesundheitlichen Gründen unfreiwillig in der Versenkung verschwundene Fefe
immer wieder aus gutem Grund Virenscanner. Dieser mit einer Prise Humor zu lesende
Text
legt dar, dass Microsoft sich für nichts zu schade ist und eine derartige Software nun auch auf den Linux-Desktop bringen will. Liest man die gestrigen Artikel bei NETZPOLITIK.ORG (
1
,
2
) und ersetzt dabei gedanklich Windows/Android durch Linux, so könnte man diese "Notwendigkeit" durchaus erkennen wollen. Nun kann man Microsoft zugute halten, dass sie ihr sog. Betriebssystem vermutlich am besten kennen, so dass es argumentativ abbildbar ist, auf ihrem Kram den hauseigenen Virenscanner einzusetzen. Konträr dazu gibt es aber kein Einheits-Linux, was die Angriffswahrscheinlichkeit (abhängig vom individuellen Fall) gleich massiv absenkt. Hinzu kommt, dass es (nicht nur bei Windows) ratsam ist, das eigene System grundlegend abzudichten, so dass derlei Angriffsversuche auch ohne Virenscanner erfolglos verlaufen. Das fängt niedrigschwellig damit an, dass man seinen
Browser
durch die einfache Deaktivierung von JavaScript bzw. die Installation von Anti-Tracking-Plugins vor derlei primitiven Angriffsversuchen schützt.
Darüber hinaus gilt es aber auch einen weiteren Denkfehler zu vermeiden: Man kann ja argumentieren, dass der Einsatz eines Virenscanners unter Linux dahingehend Sinn macht, dass man MS-Office-Dateien an Dritte weiter gibt, die virenverseucht sein könnten (was man auf seinem Linuxsystem gar nicht bemerkt). Gut, wer im Jahr 2026 immer noch ungefragt Makros in Office-Dokumenten ausführt, dem/der ist eh nicht mehr zu helfen. Aber der Denkfehler beginnt bereits vorher (und macht den Begriff des Schlangenöls besser verständlich): Mit dem Einsatz eines Virenscanners gebt ihr einem Programm Vollzugriff auf euer System, das 1. selber sauber und 2. unangreifbar sein muss! Ist nur eines davon nicht erfüllt, dann könnt ihr nicht nur eure Daten, sondern gleich auch euer ganzes Betriebssystem vergessen. Insofern bringt die Installation dieses Schlangenöls exakt nichts!
Bedeutend zielführender ist hier folgende Herangehensweise: Im Netz gibt es mehrere
linux-basierte Live-CDs, die teils mit gleich mehreren Virenscannern ausgestattet sind
. Die ISOs ladet ihr euch herunter, prüft deren Checksummen und brennt diese (auf einem sauberen System - welches selber wiederum ein Livesystem sein kann!) auf eine klassische CD, so dass ihr mit großer Wahrscheinlichkeit ein sauberes Startszenario habt, da von der CD nur read-only gelesen werden kann. Von diesen CDs gebootet, holt ihr euch die aktuellen Virenscanner-Datenbanken aus dem Netz und scannt damit euer System quasi von außen regelmäßig und vollständig durch. Nur so erhaltet ihr eine ziemlich realistische Information darüber, dass euer System aller Wahrscheinlichkeit nach sauber ist.
Ansonsten macht ihr ein regelmäßiges Backup eurer Nutzdaten und kümmert euch um die Abdichtung eures Systems! Und dies geht alles ganz ohne Mysterysoft!