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verscheißerte Anwender? 2 Jahre 8 Monate her #1

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Red Hat bzw. IBM tut gerade alles, um sich unbeliebt zu machen: ( heise , linuxnews , kofler ) Das provoziert ein paar Erkenntnisse: Schon länger vertrete ich ja den Standpunkt, NIEMALS eine Firmen-Distribution einzusetzen, sondern stets Community-Distributionen. Schon alleine, weil Firmen mit einer festen Adresse von Staaten unter Druck gesetzt werden können (Amerika, Russland, China), was bei weltweit verstreuten Communities wohl eher schwierig ist. Man kann es ja unsinnig finden, wie sich z.B. die Debianer gelegentlich streiten. Aber immer werden elementare Entscheidungen demokratisch abgestimmt - wenn auch das Ergebnis im Einzelfall nicht beglücken mag (z.B. deren Entscheidung zum Umgang mit anderen Init-Systemen als SystemD, die ich persönlich für praxisuntauglich halte). Was sich aber firmenbasierte Distributoren manchmal erlauben, kann man manchmal nur noch als frech bezeichnen. Canonical ist ja bekannt dafür, immer wieder kuriose Entscheidungen und Rückzieher gegen die Interessen der Anwenderschaft hinzulegen. Red Hat/IBM baut auch gerade so ein Ding gegen die Interessen der Anwenderschaft. Und dies ohne technische oder finanzielle Not (da die ihren Hauptumsatz nicht mit dem ach so tollen Support generieren, sondern mit der äußerst ärgerlichen Kooperation mit dem amerikanischen Militär). Sprich: ich rate dringend dazu, ausschließlich auf Community-Distributionen zu setzen (Debian/Devuan, Arch, etc.) und die Finger grundsätzlich wegzulassen von Allem, was irgendwie nach Geld stinkt.

Wie seht ihr das so?

Aktualisierung 1: Inzwischen köchelt der Fall weiter vor sich hin, mit (je nach Sichtweise) unschönen bis unkalkulierbaren Auswirkungen (auch auf andere Distributionen) linuxnews , linuxnews . Oder auch etwas distanzierter linux-magazin , curius . Ob man dies nun positiv oder negativ bewerten mag: Red Hat dreht auch weiterhin die Linux-Landschaft auf links.

Aktualisierung 2: Nun äußert sich Red Hat selber zu dem Fall und kübelt gegen auf ihrer Arbeit aufsetztende Distributoren: heise , golem . Wie gesagt, man kann dies positiv oder negativ sehen (da Red Hat nun mal kein Charity-Unternehmen ist). Aber dies wirft grundlegende Fragen auf, die über die rein juristische (jenseits der GPL) hinaus gehen: "Darf" man Quellcode spiegeln/neu verpacken oder "nur" forken? Der geäußerte Vorwurf, hier würden Quellen neu verpackt und ohne Mehrleistung weiter "verkauft", ist natürlich Unsinn, da diese Distributionen frei zugänglich sind. Der Rest ist vielleicht nachvollziehbar (mit Abweichungen je nach individuellem Standpunkt). Sicher kann man jetzt eine Diskussion zu möglichen Alternativen zu RHEL führen (was ein abendfüllendes Programm wäre). Der Distributor Rocky Linux glaubt, eine legale Möglichkeit gefunden zu haben, um weiter an die Sourcen zu kommen golem , linuxnews , linux-magazin . Wir werden sehen, wohin die Reise geht. Der Krach ist jedenfalls schon mal da und wird sich hoffentlich nicht auf andere Bereiche des Linux-Ökosystems ausweiten.

Aktualisierung 3: Hurra, es ist vollbracht: Jetzt ist die Stimmung völlig im Eimer ( heise , curius ). Jetzt braucht sich dieser völlig unnötige Krach nur noch auf andere Projekte auszudehnen und die üblichen (proprietären) Verdächtigen haben gewonnen. Irgendwie erinnert mich dieser Streit an die im Kern zwar richtige, in der getätigten Form aber völlig schwachsinnige Diskussion um die "kulturelle Aneignung". Oh Herr, lass Hirn vom Himmel regnen!
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Letzte Änderung: von Dr.Tux. Grund: Aktualisierung 3 ergänzt

verscheißerte Anwender? 2 Jahre 8 Monate her #2

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Hallo Dr. Tux,

vielen Dank für diesen Beitrag. Ich habe diese Diskussion auch verfolgt, nicht ganz so detailliert, aber ich finde es doch spannend wie sich Red Hat hier scheinbar ohne Not selbst zerlegt und jegliches Vertrauen verspielt. Ob der neue Besitzer (IBM) hier ein "Effizienzprogramm" auferlegt hat kann man nur orakeln.Eigentlich könnte man sich amüsiert zurücklehnen. Schade nur, das es leider die Reputation von Open Source insgesamt  schwächt - AKA: "Die streiten ja doch nur rum und am Ende steht man alleine da."Wie so oft ist die Welt aber nicht nur schwarz oder weiß.Für uns "End-Anwender" ist der Wechsel zu einer communitygepflegten Distribution vergleichsweise einfach möglich. Außer das man sich an neue Tools und Interfaces gewöhnen muss, ist da nicht viel Dabei. Ich bin ja privat auch eher ein Freund solcher Lösungen. Vor vielen Jahren hatte ich mir mal eine Red Hat Distribution zugelegt. Nur so zum Spaß, um da mal rein zu schnuppern. Ich habe nach sehr kurzer Zeit damit entnervt aufgehört, da ich es noch erheblich verbastelter fand als SuSE. Das ist allerdings schon sehr, sehr lange her, seit dem hat sich viel getan. Ich nutze und schätze Debian und Arch sehr.

Mein persönlicher Wechsel von SuSE zu Debian lag aber auch genau an dieser "Bevormundung" in Form von Frontendtools die in den Ablauf eingreifen und anderen nicht oder nur partiell dokumentierten Merkwürdigkeiten.
Auf der anderen Seite haben aber gerade die firmenbasierten Distributionen auch ein Plus. Wer hat sich denn selbst die ISDN Treiber für seinen Kernel gebaut? Mit allen dafür nötigen Abhängigkeiten, passend für die genutzte Hardware und dem aktuellsten Kernel? Da hatte SuSE am Anfang die Nase vorn. Auch ließen sich damals die gekauften wesentlich einfacher installieren. Menügeführt, komfortabel.
Ich darf da mal an Slackware der Anfangszeit erinnern. Ohne eine Tonne Expertenwissen, kam man noch nicht mal zum Installer selbst. Wenn man es installiert hatte fing der Spaß erst richtig an.
Hier haben glücklicherweise die Community Distris erheblich zugelegt und bieten einen ähnlichen Komfort wie die Kaufware. Selbst so Konzepte wie Arch Linux, die quasi den Anwender dazu zwingen wollen sich mit jeder Komponente des Systems einzeln auseinanderzusetzen, gibt es mit EndevourOS (das ich nutze) und Manjaro zwei Varianten, die sich auch einfacher installieren lassen.

Was man im Gesamtzusammenhang aber nicht vergessen darf ist, das wir Endanwender nur einen verschwindend kleinen Teil der Verkäufe für Unternehmen wie SuSE und Red Hat ausmachen. Das große Geld verdient man mit Unternehmenskunden.

Schwieriger bis Unmöglich wird nämlich ein Wechsel auf eine Community Distribution, wenn man selbst ein Unternehmen hat und sich nicht nur die Software sondern auch die Unterstützung dafür sichern muss. Unterstützung, Garantierte Unterstützungszeiten, Verfügbarkeit von Sicherheitspatches, etc, etc. Wenn man z.B. seine Unternehmens IT darauf aufgebaut hat, will (ja, darf) man da nicht über Nacht ohne Support da stehen, nur weil sich die Community gerade in den Haaren hat oder der Package Maintainer für unbestimmte Zeit in Urlaub ist. Einklagen ist da auch schwierig.
Und wenn dann die Distri die Basis für ein eigenes Produkt des Unternehmens sein soll, wird es noch haariger. Dann muss erst recht ein tragfähiges Bach2Back Agreement her, das man mit einer Community wohl eher schwierig wird rechtssicher abschließen können.
In sofern ist der Erfolg von Open Source im professionellen Umfeld doch stark abhängig von Firmen wie RedHat, SuSE, Canonical und Co, um damit auch einen verlässlichen Partner im Rücken zu wissen - den man zur Not auch verklagen kann ;-).

Liebe Grüße,   Klaren
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verscheißerte Anwender? 2 Jahre 8 Monate her #3

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Vielen Dank klaren für diesen wertvollen Beitrag. In der letzten Zeit führe ich - neben gelegentlichen Beiträgen von rudi (danke dafür) und Terminbestätigungen durch Andere - hier ja eher einen Monolog (was als Aufforderung zu mehr Partizipation an Euch gelten soll). Auch beim letzten Treffen hätte ich gerne mal Eure Meinung zu den aktuellen "Distributionsverwirbelungen" (chronologisch und in den Auswirkungen zusammenhängend: SystemD, Containerformate, unveränderliche Distributionen) gehört, aber leider verfing davon nichts. Scheinbar habt Ihr noch nicht deren Auswirkungen auf unsere geliebten Linux-Distributionen begriffen!

Danke auch für deine Lanze für die Firmen-Distributionen, die mir noch mal eine andere Sichtweise eröffnet haben.

In diesem Kontext kommt gerade der nächste Knaller herein: Fedora soll jetzt (möglicherweise) Telemetriedaten erheben ( linuxnews ). Ich erinnere an den gar nicht so lange vergangenen Krach rund um die geplante Einführung von Telemetrie in Audacity, welche - nur bedingt zielführend - zu 2 Forks führte, von denen meines Wissens nach nur noch einer weiter lebt. Da die Telemetriediskussion nach dem aufgeheizten Shitstorm inzwischen vom Tisch ist, würde ich für eine Wiedervereinigung beider Projekte plädieren, um die bisherigen Neuerungen der beiden Programme wieder zu bündeln. Grundsätzlich kann man aber auch unaufgeregt über die Sinnhaftigkeit von Telemetrie ( curius ) diskutieren und diese dementsprechend datenschutzkonform implementieren. In diesem aufgeheizten Moment aber rund um den Red Hat-Streit dieses konfliktträchtige Fass bei Fedora aufzumachen, halte ich - ohne dafür oder dagegen Partei ergreifen zu wollen - für taktisch unklug. Außer man will jetzt auch noch Fedora zerlegen!

Ergänzung: Deine historischen Hinweise wecken Erinnerungen an meine ersten Experimente: Ich hatte eine Fritz!Card und wollte diese unter dem "unix-ähnlichsten" Slackware Linux ans laufen bekommen. Installiert bekommen hatte ich das immerhin - und landete in der für Einsteiger wenig hilfreichen Konsole. (Ich kam damals auf die weiterhelfe Idee, einfach mal "help" einzugeben, so dass ich dann wenigstens den Rechner wieder herunter fahren konnte. ) Um die Fritz!Card ans laufen zu bekommen, hätte ich Biobliothek A gebraucht, die abhängig von B war, die C haben wollte und diese wiederum A benötigte (allerdings in einer anderen Version!) Auf diese "DLL-Hölle" hatte ich dann keinen Bock und wandte mich der aktuell scheinbar sterbenden Distribution Kanotix zu, die diese Karte problemlos unterstützte. Später ging's dann aufgrund der tollen Matrox G450-Grafikkarte (mit zwei Monitorausgängen) zur sehr komfortablen Distribution Mandrake (die ja heute noch als Mageia und OpenMandriva fortgeführt wird und von denen ich mehr halte, als dieses komische *buntu-Zeugs). Und ab Debian 4.0 "Etch" war auch dieses für Endanwender installierbar. Die nachfolgende Geschichte ist ja bekannt. Und natürlich halte ich Slackware immer noch für eine wichtige Distribution, die wohl ebenfalls recht robust ist!
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Letzte Änderung: von Dr.Tux. Grund: historische Ergänzungen

verscheißerte Anwender? 2 Jahre 8 Monate her #4

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Aktualisierung 4: Ok. Ist der Ruf einmal ruiniert, dann pöbelt's sich ungeniert! Momentan ist scheinbar auf vielen Ebenen das Zeitalter der Kriege angesagt (die ich alle definitiv nicht gut heiße).

Ein Stück weit hätten nun die großen LTS-Community-Distributionen (allen voran Debian) die Möglichkeit, sich als Alternative zu präsentieren (was sie aber nicht tun), weil sie eine hinreichende Langzeitstabilität und darüber hinausgehend durch entsprechende Dienstleister professionellen Support anbieten könnten. Statt dessen springt ausgerechnet ... tätä: Oracle ( golem ) in den Ring und macht einen auf digitalen Weltretter in Form einer süffisant-zynischen Presseerklärung ( golem , gnulinux ).

Und passend zum Krieg der "Konf..." äh Ideologien meldet sich frei nach Jesus' "Wo zwei oder drei sich in meinem Namen kloppen, da prosperiere ich mitten unter ihnen." das Urgestein SuSE (das "Windows aus Nürnberg" existiert also immer noch) und kündigt einen eigenen Fork von RHEL an ( heise , linux-magazin ).

Vielleicht haben sie ja im Hinterkopf, nicht nur ihr kommerzielles SLE stärker gegenüber RHEL, sondern auch ihr Community-OpenSuse gegenüber Fedora zu positionieren? Jedenfalls versucht "völlig selbstlos" Oracle gerade sich als Heilsbringer zu positionieren.

Als ob das nicht reicht, kloppt sich gerade nicht minder die Kernel-Community. Hier geht es thematisch um die Implementierung eines neuen Dateisystems in den Kernel und die dafür nötigen Kernel-Anpassungen ( linux-magazin ).

Dass diese Streitereien ausgerechnet in den Zeiten des Umbruchs (auch hier passt wieder der Vergleich zum politischen Tagesgeschehen) ausgefochten werden (nach dem größtenteils abgeschlossenen SystemD-Zerwürfnis und den aktuellen Umbrüchen mit den neuen noch umstrittenen Paketformaten plus damit einhergehend den ebenfalls das Linuxkonzept "rumdrehenden" "unveränderbaren Distributionen") halte ich für äußerst unpassend.

Da ist es schon erstaunlich, dass ausgerechnet - der ja nicht gerade um provokante Äußerungen verlegene - Linus Torvalds himself zur Besonnenheit aufruft. Es ist doch sehr zu hoffen, dass diese Besonnenheit insgesamt im Linux-Umfeld wieder Einzug hält (und nicht minder in die Tagespolitik). Denn wer sonst als proprietärer lachender Dritter von diesen Streitereien profitieren wird, dass lässt sich wohl leicht ausmalen. Auf jeden Fall ist zu vermuten, dass bei denen intern gerade die Sektkorken knallen ...

Aktualisierung 5: Inzwischen gibt es neue Stellungnahmen der verschiedenen Akteure ( curius , heise 1 , heise 2 , linux-magazin , linuxnews ). Es sieht so aus, als ob Red Hat mit seiner Strategie der Eskalation gut durch kommt. Die Zukunftspläne der verschiedenen Fork-Projekte differieren - aber keines davon begeistert so richtig. Es wird sich zeigen, ob 1. irgendeines der Projekte ein langfristig überzeugendes Fork-Produkt im Markt halten kann 2. ob sich ein alternatives Produkt zu RHEL etablieren kann 3. wie sich die Kundschaft von Red Hat weiter entwickelt 4. welche Auswirkungen dieser Streit auf andere Projekte im FOSS-Umfeld hat.
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verscheißerte Anwender? 2 Jahre 7 Monate her #5

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Aktualisierung 6: Die ganze Sache scheint sich immer mehr zum Desaster für Red Hat/IBM zu entwickeln. Nun haben sich deren "Erzfeinde" zu einem Verband "OpenELA" zusammen getan, um einen entsprechenden RHEL-kompatiblen Klon zu entwickeln. ( heise , golem , linuxmagazin , HP )

Sagen wir mal so: Man kann ja im Vergleich mit IBM von Oracle bzw. SuSE halten, was man will. Als Wirtschaftsunternehmen werden sie sich nicht sonderlich unterscheiden, im Vergleich. Aber man weiß ja auch, wie "treu" KundInnen so sind (wenn auch Einige, denen "langzeitstabil" extrem wichtig ist, sehr treu und konservativ sein werden). Aber wenn es die MacherInnen von OpenELA am Ende schaffen, eine wirklich zuverlässige Distribution mit sehr langen Supportzeiträumen (typischerweise 10+ Jahre) zu schnüren, ist es am Ende egal, ob diese ein direkter RHEL-Klon ist, davon abweicht (solange alle Pakete laufen) oder gar auf DEB oder Arch basiert. Hauptsache, sie läuft und läuft und läuft ...

Aktualisierung 7: Die professionelle Selbst-Demontage geht weiter: Als nächstes wird die öffentliche Security Alert Mailingliste eingestellt ( Marius ). Und es gibt erste Änderungen - mit zu diesem frühen Zeitpunkt noch unkalkulierbaren Auswirkungen - bei der Community-Spielwiese Fedora ( Marius ). Außerdem wird - mit ebenfalls noch unklaren Auswirkungen - (mal wieder) SuSE verhökert (also ein Akteur vom gerade im Aufbau befindlichen Verband "OpenELA", siehe oben) und interessanterweise von der Börse genommen - um sich (was sicher keine schlechte Entscheidung ist) "besser auf die langfristige Wertschöpfung konzentrieren zu können" ( bitblokes , linux-magazin , linuxnews) . Die Umbrüche und Einschläge, aber auch Chancen gehen also weiter ...
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Letzte Änderung: von Dr.Tux. Grund: Aktualisierung 7, SuSE Details ergänzt

verscheißerte Anwender? Oder: die RotHüte sind nicht mehr nerdy! 2 Jahre 4 Monate her #6

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Aktualisierung 8: Auch wenn die öffentliche Aufregung zu anderen Themen weiter gezogen ist, ist das Donnergrollen noch zu vernehmen. In den letzten Tagen sind nach und nach die (mehr oder weniger) Klone zur neuen RHEL 9.3 erschienen (siehe distrowatch ). Die OpenELA hat einen "Standard-Klon" herausgebracht . ALMA dagegen geht einen etwas anderen Weg ( heise , linuxnews ) Es ist wohl fraglich, ob Red Hat den Sekt wieder weggestellt hat und wir dürfen gespannt sein, welche Folgen und Chancen das haben wird.
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verscheißerte Anwender? Oder: die RotHüte sind nicht mehr nerdy! 4 Tage 21 Stunden her #7

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Mehr als zwei Jahre später kann man feststellen, dass die aus diesem Red Hat-Streit hervorgegangenen Forks sich zwar teilweise verändert haben, aber noch immer existieren.

Jetzt gibt es einen neuen Streit, der vermutlich Manjaro zerlegen wird. Hier geht es wohl um einen seit Jahren schwelenden Konflikt zwischen der Community und der Firma, welcher nun in einem "Manjaro 2.0 Manifesto" eskalierte. Samuel Rüegger rollt dies in seinem umfangreichen Kommentar aus und kommt bei der Beleuchtung der möglichen Entwicklungsszenarien zu keinem erfreulichen Fazit - während der stets diplomatische Ralf Hersel dazu aufruft, sich erst mal runterzukühlen und abzuwarten , bevor mit vorschnellen Entscheidungen noch mehr Porzellan zerschlagen wird.

Mit dem guten Kommentar von Klaren im Hinterkopf (siehe weiter oben) bestätigt dies meine Pro-Haltung zu demokratisch geführten Community-Distributionen wie Debian. Sicher, da fliegen die Fetzen und es liegt im Wesen der Demokratie, dass man mit so mancher gemeinsam getroffenen Entscheidung am Ende nicht glücklich ist (siehe dazu mein Reizthema SystemD ). Jetzt ist aber gerade Debian so flexibel, dass man es an zahlreiche persönliche "Befindlichkeiten" anpassen kann. Oder man sucht sich einen Fork, wie ich das ja dann mit Devuan gemacht habe (und bisher keine Sekunde bereut habe). Und genau Devuan ist ein Beispiel dafür, dass es trotz der zahlreichen sicher richtigen von Samuel genannten kritischen Argumente, die gegen einen Fork sprechen, dennoch gelingen kann, einen zu gründen und am Leben zu erhalten: Devuan existiert inzwischen seit über 15 Jahren . Und dennoch führt der Debian-Fork wohl ein Schattendasein (siehe dazu auch die Anmerkungen von Samuel zu OpenOffice vs. LibreOffice - dennoch empfehle ich in dem Kontext ein Interview bei RadioTux , welches dieses Thema nochmal anders erscheinen lässt). Auch wenn ich hier immer wieder die real existierenden Schwierigkeiten mit SystemD vortrage, ist das Problem wohl immer noch nicht begriffen worden. Vor zwei Wochen hatte ich erläutert, welch toxische Eigenschaften SystemD im Kontext des Wandels von X.org zu Wayland offenbart . Und ich persönlich kenne nur einen weiteren Devuan-Anwender und vermute, dass er die Distribution einfach nur mag (was sehr schön ist), aber nicht wirklich den Grund und die Geschichte seiner Existenz begriffen hat. Aber eigentlich ist dies nicht der Punkt, auf den ich hinaus wollte.

Zunächst einmal ist festzustellen, dass ein Fork nicht seine Basis abschneiden kann: Manjaro ("Arch Linux to the masses") gebührt hier der gleiche Verdienst wie Ubuntu ("Debian to the masses"). Aber ohne die Basisprojekte (Arch und Debian) gäbe es sie beide nicht. Dass ein Fork dennoch gelingen kann, dies zeigen neben den entstandenen Red Hat-Forks und Devuan auch die (zweifelsfrei in einem anderen Kontext aus der Asche vom abgewickelten Mandrake Linux entstandenen ) Community-Distributionen Open Mandriva  und Mageia . Ob hier allerdings der Fork vom Fork die Lösung darstellt, steht wohl auf einem anderen Blatt (wie Samuel gut erläutert hat). (Devuan ist übrigens nur bedingt als ein Debian-Fork anzusehen, weil der Großteil seiner Pakete immer noch in ungepatchter Form von den Debian-Servern kommt. Einzig und alleine die SystemD-abhängigen Pakete sind gepatched. Der Rest ist waschechtes Debian!) So sehr ich inzwischen beispielsweise Linux Mint als Live-Distribution schätze, so wenig bin ich motiviert, mir diese zu installieren - weil ich einfach zu viele historisch gewachsene Sonderwünsche habe, die aber nicht für jede/n Anwender/in gleich gelten müssen. Ich nehme da lieber eine "richtige" Distribution, wie ... nein, nicht Ubuntu ... Debian/Devuan und passe sie mir an (was in der Regel gut funktioniert).

Wie wichtig dezentral entwickelte Distributonen sind, dürfte in Zeiten einer Regierung Trump und dem Digital Independence Day klargeworden sein. Niemals mehr würde ich mir eine rein amerikanische (aber auch keine russische, chinesische, ...) Distribution installieren (und auch kein "CDU Linux") , sondern nur eine Distribution "aus dem Internet". Zu welchen Verwerfungen es führen kann, wenn politische Borniertheit das Ruder in der Hand hält, das können wir gerade live in Brasilien erleben , wo eine gut gemeinte Idee zu völlig falschen Rahmensetzungen führt, ohne das zugrundeliegende Problem überhaupt lösen zu können.

In wie weit man dem von Samuel angesprochenen Punkt der Paketverwaltung folgen mag, ist sicher eine persönliche Entscheidung. Mir ist zunächst ein "stabiles" Paketformat und Repository wichtig. Ob dies dann deb, rpm oder sonst wie heißt, ist eher nebensächlich. Dem von ihm favorisierten Gedanken zum grafischen Paketverwaltungsfrontend folge ich nicht - eher gegenteilig reduziere ich das immer mehr und installiere mir inzwischen gar keine grafische Paketverwaltung mehr. Denn wenn man die an einer bis maximal zwei Händen abzählbaren Konsolenbefehle einmal verinnerlicht hat, dann funktioniert die Sache absolut crashfrei. Was nützt der blinky-Appstore, wenn er schnarchlahm ist und einem schlimmstenfalls um die Ohren fliegt? Und ich bin nicht mehr bereit, mir massive Paketabhängigkeiten für so einen Quatsch auf die Platte zu holen (ist alles fehleranfälliger Code).

Wie sich die Sache rund um Manjaro weiter entwickelt, werden wir sehen. Zweifelsfrei wäre dessen Niedergang ein Verlust für die vielfältige Distributions-Landschaft. Ohne eine konkrete Empfehlung abgeben zu können (außer die, miteinander zu reden) kann ich da nur Good Luck wünschen. Bis dahin ist für Neueinsteigende von Manjaro wohl eher abzuraten. Und das originale Arch Linux wäre mir einfach zu kaputt.
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